Michi in Mexiko - myblog.de



número 19: Ich lebe!

Nach ziemlich vielen Nachfragen, was los ist und ob ich ueberhaupt noch lebe, habe ich beschlossen, endlich mal wieder zu schreiben, auch wenn es nicht viel wird, weil ich gerade an meinem naechsten Rundbrief schreibe.

Seit meinem Besuch in Deutschland und Tonis Abreise hat sich mein Leben in vielen Punkten drastisch geaendert. Ich arbeite jetzt Vollzeit in der Helen Keller Schule, habe 3 neue Mitbewohner (Jan und Nele, die ganz neu in Mexiko angekommen sind und Larissa, die aus Tijuana uebergesiedelt ist) und ueberhaupt ist es ein ganz anderes Gefuehl 2. Jahr hier anzufangen als ein erstes

Insgesamt verbringe ich unter der Woche kaum Zeit zu Hause, da ich um 8 Uhr aus dem Haus gehe, bis 16.30 arbeite, direkt danach ins Fitnessstudio gehe und so gegen 20 Uhr zu Hause bin, um zu essen, kurz auszuruhen und dann ins Bett zu gehen. Somit habe ich sowohl meinen persoenlichen Kontakt, als auch den "oeffentlichen" Kontakt nach Deutschland sehr vernachlaessigt. Es tut mir wirklich sehr leid, dass das die letzten 2 Monate so gelaufen ist, aber ich habe vor mindestens zu oft zu berichten wie im letzten Jahr.

Die Arbeit in der Schule macht mir wieder sehr viel Spass. Ich arbeite noch in den selben Klassen wie vorher (alle Tage bis auf Do in der 1. und 2. Klasse und Do mit den "Ninos especiales". Der Unterschied jetzt ist natuerlich, dass ich wirklich den ganzen Tag mit den Kindern verbringe. Vormittags bin ich ganz normal in der Klasse und arbeite mit den Kindern das, was gerade ansteht. Die 1. und 2. Klasse besteht dieses Jahr nur noch aus 7 Kindern und da die ungewoehnlich oft fehlen, ist es nicht selten, dass nur 5 oder 3 kommen. So kann man mit den Kindern natuerlich viel intensiver und besser arbeiten und man lernt auch viel mehr ueber die Kinder, ihren Charakter, ihre Behinderung etc. Nachmittags gebe ich Mo und Di in der 6. Klasse Englischunterricht. Dies gestaltet sich doch etwas schwieriger, weil man alles muendlich machen muss. Man hat keine Tafel, an der man was erklaeren, Aufgaben anschreiben oder etwas verdeutlichen kann. Aber die Kinder haben eine ziemlich grosse Motivation (vor allem wenn es darum geht irgendwelche Textzeilen aus ihnen bekannten Liedern oder Schimpfwoerter zu uebersetzen - bei letzterem leite ich sie immer an die Person weiter, die ihnen das beigebracht hat ). Mittwoch und Donnerstag helfe ich in der Computerstunde. Es gibt ein Programm, dass einem alles vorliest, was es auf dem Bildschirm gerade zu sehen gibt. So lernen die Kinder Texte in Word zu schreiben und vor allem auch zu verstehen, was ihnen vorgelesen wird. Abgesehen von dem Erstaunen wie schnell manche Kinder das erfassen und schon mit dem PC umgehen koennen, ist es fuer mich wirklich interessant die ganzen Tastenkombinationen zu lernen, mit denen man einen Computer bedienen kann, da blinde Menschen die Maus ja nicht verwenden koennen. Ich arbeite hauptsaechlich mit einem Maedchen aus der 6. Klasse, das seh- und lernbehindert ist. Sie braucht noch sehr viel Uebung, aber das was ihr Schwierigkeiten bereitet ist hauptsaechlich die Texte zu verstehen, die ihr vorgelesen werden (die Stimme ist natuerlich extrem schnell und betont nichts), aber das Schreiben bekommt sie schon ziemlich gut hin und das motiviert sie immer wieder weiterzumachen. Nach dem Computerunterricht geben wir (hab ganz vergessen zu schreiben, dass Lari mit mir dort arbeitet) Einzelfoerderung an verschiedene Kinder. Die Lehrer sagen uns, was wir bearbeiten sollen, zB deutlich schreiben, lesen, Rechentechnicken oder Aussprache (ich soll einem Kind beibringen, wie es das "r" rollt????? :P) und das machen wir dann ca. 45 Minuten mit dem Kind.
Freitags habe ich frueher aus und kann schon nach dem immer sehr leckeren Mittagessen um halb 3 gehen.
Es macht viel Spass richtig in der Schule drin zu sein, alles (oder die Mehrheit) mitzubekommen, mit eingeplant zu werden und auch gefordert zu werden, einfach dadurch, dass ich dort komplett arbeite.

Ueber meine Komm, genaueres ueber die Arbeit, verschiedenste Krankheiten und einfach mein neues Leben kommt dann im Rundbrief. Ich wollte euch einfach nur kurz wissen lassen, dass ich noch lebe, es mir hier gut geht und ich immernoch sehr froh bin, dass ich ein 2. Jahr angehaengt habe.

Ich hoffe ihr erfriert nicht in Deutschland, hier ist es zumindest tagsueber noch ca. 25 Grad warm

30.10.09 01:40
 





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