Michi in Mexiko - myblog.de



Número 15: visita y elecciones

Meine lieben Damen und Herren,

diesmal habe ich endlich mal eine plausible Entschuldigung fuer mein langes Nicht-Schreiben. Vor ca. einem Monat kam endlich der schon la lange erwartete Besuch aus Grosskrotzenburg. Drei meiner alten Schulkollegen (Corni, David und Seppi) haben sich extra auf die lange Reise begeben, um mich zu besuchen. Die drei Wochen mit ihnen waren sehr schoen und es von Anfang an, als waeren wir nie so lange und so weit von einander weg gewesen. Dank den dreien habe ich auch ein paar touristische Dinge endlich mal gemacht, die ich bis jetzt vor mir her geschoben habe, wie zum Beispiel das Dorf Tequila besucht Die drei Wochen sind so unglaublich schnell vorbei gegangen, was aber zeigt, dass ich die Zeit echt genossen habe

In einigen Staaten Mexikos, auch in Jalisco, stehen am 5.7. die Kommunalwahlen an. Es ist sehr interessant den Wahlkampf zu beobachten, der hier um einiges dreckiger und illegaler ablaeuft als in Deutschland. Die 2 staerksten Parteien sind PRI (Partido Revolucion Institucional, war bis vor ca. 10 Jahren mehrere Jahrzehnte an der Macht) und PAN (Partido Acción Nacional, von der der derzeitige Praesident ist). Weiterhin mischt noch die PRD (Partido Revolución Democrática) mit, die man von der Groesse und Wichtigkeit her ein bisschen mit FDP oder den Gruenen vergleichen koennte.Naja, ein bisschen groesser ist sie schon. Zumindest in ein paar wenigen Staaten hat sie die Aussicht auf einen Wahlsieg.

Die dreckigsten Aktionen gehen eigentlich von der PAN aus. Schon seit einiger Zeit (noch weit vor den Wahlen, der Zeitpunkt dieser Kampagne allein war schon illegal) hatten sie in Zeitschriften, auf Plakaten etc. eine Buchstabensuppe. Die Fragestellung war: "Suchen Sie 13 Charakteristiken der PRI Regierung." In der Suppe waren Woerter wie Korruption, Drogenhandel, Gewalt, Unterdrueckung, Armut, Diebstahl, Schulden und Straflosigkeit.     Unten drunter stand dann "Sie drohen damit zurueck zu kommen. Wirst du das zulassen?"

Abgesehen davon, dass all diese Charakteristiken auch auf die PAN zutreffen, war ich erstmal sprachlos ueber die Dreistigkeit der Partei. 

Jetzt erst vor einigen Wochen wurden in dem an Jalisco angrenzenden Bundesstaat Michoacan auf Befehl der Bundesregierung 30 Staatsregierungsmitglieder festgenommen, davon 10 Buergermeister, da sie mit dem Drogenhandel in Verbindung gebracht wurden. 6 davon sind von der PRI und jeweils 2 von PAN bzw. PRD; waere ja auch auffaellig wenn sie niemanden von der eigenen Partei festgenehmen wuerden. Die anderen 20 Festgenommenen sind alles nahestehende Arbeiter des derzeitigen Ministerpraesidenten, der der PRD angehoert. Somit entwertete die PAN klar die Arbeit der PRD in diesem Bundesstaat (die die Festnahmen sicher wieder gewonnen haette) und hat so ihre eigenen Chancen auf einen Gewinn um einiges vergroessert.

Ich bin wirklich fuer die Festnahme solcher Leute und dafuer, dass etwas gegen Korruption und Drogenhandel unternommen wird. Wenn das allerdings mit dem Hintergedanken geschieht, danach bessere Chancen bei der Wahl zu haben, finde ich das eher zweifelhaft. Vor allem ist auch auffaellig, dass es die erste grosse Festnahmeaktion in dem Bundesstaat war, aber ausschliesslich Politiker festgenommen wurden und keine Capos (Mitglieder der Drogenbande). Ausserdem darf man wirklich nicht vergessen, dass ALLE Parteien mehr oder weniger (eigentlich eher mehr) von Korruption durchzogen und mit Drogenhaendlern in Verbindung sind. Nur weil die PAN derzeit den Vorteil hat, dass der Staatspraesident von ihrer Partei ist und so nach Lust und Laune Leute festnehmen kann, heisst das noch lange nicht, dass die Partei unschuldig ist.

Noch dazu haben solche Aktionen den Vorteil, dass andere Probleme wie die Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Armut etc. in den Hintergrund gerueckt werden.

Im Volk gibt es eine Gegenbewegung zu dem Ganzen. In Jalisco laeuft sie unter dem Namen: "Votos nulos para políticos nulos" = "Wertlose Stimmen fuer wertlose Politiker". Der Aufruf ist, zur Wahl zu gehen, die Stimme allerdings ungueltig zu machen. Damit wird signalisiert, dass man sich zwar fuer Politik interessiert, auch gerne mitwirken moechte, aber keinen Politiker bzw. keine Partei als gut genug empfindet, um fuer sie zu waehlen. Noch dazu laesst sich durch so der "Erfolg" der Aktion leichter messen, da die Zahl, der Leute, die nicht zur Wahl gehen sehr schwankt, waehrend die Zahl der ungueltigen Stimmen eigentlich nie 2.5% uebersteigt.

Natuerlich gibt es die Gegenargumente, wie, dass man so auch nichts aendern kann, oder man den Leuten, die waehlen, die Wahl ueberaesst. Aber als kleiner Buerger kann man hier sowieso in der grossen Politik nichts aendern und ob man nun selbst mitwaehlt oder nicht, das Ergebnis der Wahl wird immer das Selbe sein: Gewinnen wird eine korrupte Partei, die Drogenbosse schuetzt und von ihnen unterstuetz wird, denen das Wohl des Volkes lange nicht so wichtig ist, wie das eigene und die immer weiter versuchen werden die zu unterdruecken, die sich gegen das System stellen.

Ich denke, in der derzeitigen Situation ist es eine gute Sache seine Stimme ungueltig zu machen und ich freue mich sehr darueber, dass das mexikanische Volk selbst denkt und sich nicht mehr alles einfach so gefallen laesst. Die ungueltige Stimme ist zwar eine kleine Sache, aber wenn es genug machen, wird zumindest ein Zeichen gesetzt. Ob es etwas bewegt ist dann natuerlich eine andere Sache. 

10.6.09 23:31
 





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