Michi in Mexiko - myblog.de



Número 21: Cambio de casa y Chiapas

Liebe Bloggemeinde. Nach etlichen Monaten melde ich mich wieder und auch nur mit einer ganz kurzen Nachricht. Vor etwa 2 Wochen bin ich mal wieder umgezogen (ich hoffe, das wird nicht zur Gewohnheit). Der Grund war die zunehmende Unausstehlichkeit des Vermieters und der Gedanke daran, dass die neuen JEVs, die im September ankommen werden, sehr wahrscheinlich noch sehr viel groessere Probleme haben werden. Jetzt wohnen wir in einem wunderschoenen Haus mit Innenhof, in einer ruhigen Strasse und immer noch im Zentrum (auch wenn fuer Lari diese 5 Bloecke groesserer Entfernung anscheinend einen grossen Effekt haben “Koennen wir heute mal ins Zentrum gehen?” ) Die neue Adresse ist: Michaela Theilmann C. Independencia 946 entre Jesús y Cruz Verde Zona Centro Guadalajara, Jalisco Méxcio Ab Samstag werde ich mal wieder fuer 2 Wochen ausserhalb von Guadalajara sein. Lari und ich haben die Moeglichkeit mit der Jesuitenuni ITESO fuer eine Zeit in indigene Doerfer in Chiapas, dem aermsten Staat Mexikos, zu gehen, dort mit dem Leuten bei der Kaffe Ernte und Saat zu arbeiten und ihnen Workshops ueber biologische Duenger zu geben (zum Glueck studiert mein Partner etwas in die Richtung ) Wir werden 4 Doerfer besuchen, in denen wir jeweils 2 Tage bleiben. Ich bin schon sehr gespannt, wie es wird und freue mich schon riesig!! Also wir hoeren in 2 Wochen voneinander! Ich wuensche euch noch einen schoenen Fruehling! (hier ists mittlerweile 36 Grad heiss )
12.5.10 17:21


número 20: sierra y navidad

es ist immer wieder das selbe mit mir: erst ewig nicht schreiben und dann diese Entschuldigungen. Aber diesmal war es fast nicht meine Schuld

Die letzten 10 Tage im November habe ich zusammen mit Lari (JEV) und Eferh (Freundin aus Guadalajara) im Gebirge Jaliscos verbracht. Dort im Norden Jaliscos leben die Huicholes, die nach der Eroberung durch die Spanier bevorzugt haben, sich ins Gebirge zurueck zu ziehen, anstatt sich zu unterwerfen.Die Tage in den 3 verschiedenen Kommunitaeten waren echt unglaublich interessant, vor allem zu sehen, wie das Volk versucht den Spagat zwischen eigener Geschichte, Kultur und Traditionen und den Einfluessen der neuen Welt hinzubekommen (Pepsi gibt es in jedem noch so kleinen Ort, die Regierung startet Programme zur Foerderung dieser Doerfer etc.). Da meine Erfahrungen so vielfaeltig und reich waren, habe ich beschlossen anstatt einen 100 Seitigen Blogeintrag zu schreiben, das alles lieber in einen Rundbrief zu packen (Veroeffentlichungsdatum hoffentlich Januar ) Trotzdem habe ich euch ein paar Fotos hochgeladen, damit ihr einen kleinen Eindruck bekommt, von dieser so anderen Welt.

Weihnachten steht schon wieder vor der Tuer und fuer mich ist es aber immer noch Sommer. Die Strassendekorationen, Weihnachtsmaenner an den Strassenecken, mit denen man sich fuer Unsummen ein Foto machen lassen kann, Weihnachtsmusik in den Laeden und den Weihnachtsfeiern erinnerin einen zwar immer wieder dran, dass es nicht viel bis Weihnachten fehlt, aber so richtig in Weihnachtsstimmung bin ich auch dieses Jahr nicht. Liegt aber vielleicht auch daran, dass ich beschlossen habe NICHTS zu verschenken und somit schon mal der riesen Stressfaktor "Oh Gott, was schenk ich denn dem? Und wenn ich der was schenk, muss ich der anderen wiederum auch was schenken..." wegfaellt und man sich somit auf das wesentliche des Weihnachtsfestes konzentrieren kann.

Heute Abend kommt endlich mein Bruder Dominik, mit dem ich und 3 weiteren Freundn, morgen frueh direkt nach Mexiko Stadt duesen werde, um dort Weihnachten in der Familie eines Freundes zu verbringen. Wie wir die restlichen Tage seines Aufenthalts verbringen ist noch ungewiss, will ich ihm doch so viel wie moeglich zeigen, ohne ihn aber zu ueberfordern.

Ich wuensche euch ein schoenes und gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr!

 

Link der Gebirgsfotos:

http://www.kodakgallery.de/ShareLanding.action?c=uxq91n1.2yn2izqy9&x=0&y=x7fcim&localeid=de_DE

22.12.09 20:05


número 19: Ich lebe!

Nach ziemlich vielen Nachfragen, was los ist und ob ich ueberhaupt noch lebe, habe ich beschlossen, endlich mal wieder zu schreiben, auch wenn es nicht viel wird, weil ich gerade an meinem naechsten Rundbrief schreibe.

Seit meinem Besuch in Deutschland und Tonis Abreise hat sich mein Leben in vielen Punkten drastisch geaendert. Ich arbeite jetzt Vollzeit in der Helen Keller Schule, habe 3 neue Mitbewohner (Jan und Nele, die ganz neu in Mexiko angekommen sind und Larissa, die aus Tijuana uebergesiedelt ist) und ueberhaupt ist es ein ganz anderes Gefuehl 2. Jahr hier anzufangen als ein erstes

Insgesamt verbringe ich unter der Woche kaum Zeit zu Hause, da ich um 8 Uhr aus dem Haus gehe, bis 16.30 arbeite, direkt danach ins Fitnessstudio gehe und so gegen 20 Uhr zu Hause bin, um zu essen, kurz auszuruhen und dann ins Bett zu gehen. Somit habe ich sowohl meinen persoenlichen Kontakt, als auch den "oeffentlichen" Kontakt nach Deutschland sehr vernachlaessigt. Es tut mir wirklich sehr leid, dass das die letzten 2 Monate so gelaufen ist, aber ich habe vor mindestens zu oft zu berichten wie im letzten Jahr.

Die Arbeit in der Schule macht mir wieder sehr viel Spass. Ich arbeite noch in den selben Klassen wie vorher (alle Tage bis auf Do in der 1. und 2. Klasse und Do mit den "Ninos especiales". Der Unterschied jetzt ist natuerlich, dass ich wirklich den ganzen Tag mit den Kindern verbringe. Vormittags bin ich ganz normal in der Klasse und arbeite mit den Kindern das, was gerade ansteht. Die 1. und 2. Klasse besteht dieses Jahr nur noch aus 7 Kindern und da die ungewoehnlich oft fehlen, ist es nicht selten, dass nur 5 oder 3 kommen. So kann man mit den Kindern natuerlich viel intensiver und besser arbeiten und man lernt auch viel mehr ueber die Kinder, ihren Charakter, ihre Behinderung etc. Nachmittags gebe ich Mo und Di in der 6. Klasse Englischunterricht. Dies gestaltet sich doch etwas schwieriger, weil man alles muendlich machen muss. Man hat keine Tafel, an der man was erklaeren, Aufgaben anschreiben oder etwas verdeutlichen kann. Aber die Kinder haben eine ziemlich grosse Motivation (vor allem wenn es darum geht irgendwelche Textzeilen aus ihnen bekannten Liedern oder Schimpfwoerter zu uebersetzen - bei letzterem leite ich sie immer an die Person weiter, die ihnen das beigebracht hat ). Mittwoch und Donnerstag helfe ich in der Computerstunde. Es gibt ein Programm, dass einem alles vorliest, was es auf dem Bildschirm gerade zu sehen gibt. So lernen die Kinder Texte in Word zu schreiben und vor allem auch zu verstehen, was ihnen vorgelesen wird. Abgesehen von dem Erstaunen wie schnell manche Kinder das erfassen und schon mit dem PC umgehen koennen, ist es fuer mich wirklich interessant die ganzen Tastenkombinationen zu lernen, mit denen man einen Computer bedienen kann, da blinde Menschen die Maus ja nicht verwenden koennen. Ich arbeite hauptsaechlich mit einem Maedchen aus der 6. Klasse, das seh- und lernbehindert ist. Sie braucht noch sehr viel Uebung, aber das was ihr Schwierigkeiten bereitet ist hauptsaechlich die Texte zu verstehen, die ihr vorgelesen werden (die Stimme ist natuerlich extrem schnell und betont nichts), aber das Schreiben bekommt sie schon ziemlich gut hin und das motiviert sie immer wieder weiterzumachen. Nach dem Computerunterricht geben wir (hab ganz vergessen zu schreiben, dass Lari mit mir dort arbeitet) Einzelfoerderung an verschiedene Kinder. Die Lehrer sagen uns, was wir bearbeiten sollen, zB deutlich schreiben, lesen, Rechentechnicken oder Aussprache (ich soll einem Kind beibringen, wie es das "r" rollt????? :P) und das machen wir dann ca. 45 Minuten mit dem Kind.
Freitags habe ich frueher aus und kann schon nach dem immer sehr leckeren Mittagessen um halb 3 gehen.
Es macht viel Spass richtig in der Schule drin zu sein, alles (oder die Mehrheit) mitzubekommen, mit eingeplant zu werden und auch gefordert zu werden, einfach dadurch, dass ich dort komplett arbeite.

Ueber meine Komm, genaueres ueber die Arbeit, verschiedenste Krankheiten und einfach mein neues Leben kommt dann im Rundbrief. Ich wollte euch einfach nur kurz wissen lassen, dass ich noch lebe, es mir hier gut geht und ich immernoch sehr froh bin, dass ich ein 2. Jahr angehaengt habe.

Ich hoffe ihr erfriert nicht in Deutschland, hier ist es zumindest tagsueber noch ca. 25 Grad warm

30.10.09 01:40


Número 18: mi vida después de mi viaje a Alemania y la despedida de Toni

Nach ca. 1 Monat wieder einleben hier in Guadalajara, lasse ich euch endlich mal wieder wissen, dass ich noch lebe

Die Zeit ist unglaublich schnell vergangen und trotzdem habe ich das Gefuehl, dass mein Heimatbesuch schon einige Monate zurueck liegt. Es war sehr schoen wieder zurueck zu kommen, da das hier einfach das Leben ist, das ich im Moment fuehre. Trotzdem habe ich es sehr genossen mal wieder zu Hause in meinem eigenen Kulturkreis zu sein.

Nach meiner Rueckkehr brachen die letzten 2 Wochen von Toni an. So sind wir nochmal viel in Guadalajara rumgekommen und haben auch beschlossen fuer ein Wochenende in die kleine und sehr schoene Stadt Guanajuato zu fahren, die ungefaehr 4 Stunden von hier entfernt ist. Die letzten 2 Tage haben wir dann in Mexiko Stadt verbracht, wo wir uns mit 2 anderen JEVs, Jenny und Larissa, getroffen haben. So habe ich endlich auch mal die Ruinen gesehen, die da in der Naehe sind. Abends haben Lari und ich die anderen beiden dann zum Flughafen gebracht und uns dann auf den Weg nach Guadalajara gemacht. Allerdings haben wir 20 Minuten vor Busabfahrt gemerkt, dass es eben nur noch 20 Minuten sind und keine 40 und mussten deswegen ein Taxi nehmen. Eigentlich haette die Taxifahrt 90Pesos gekostet und als wir uns endlich samt dem ganzen Gepaeck da rein gequetscht hatten, fragte uns der Taxifahrer: "Habt ihrs eilig?" "Ja ziemlich, unser Bus faehrt gleich ab!" "Wann denn?" "In 20 Minuten!" "Ah ok, das schaffen wir locker. Aber weil es schon nach 11 Uhr abends ist gilt der Abendtarif und da kostets 150!" Es war zwar erst 5 vor elf, aber wir hatten ja keine Wahl... Und immerhin ist es besser 60 Pesos mehr zu bezahlen, als dann am ende jeder nochmal 350 fuer das neue Busticket. Rennend haben wir es in der Tat dann gerade so noch geschafft

Morgens frueh hier zu Hause angekommen war dann eigentlich auch nicht viel Zeit zum ausruhen. Lari wollte natuerlich ihre neue Heimat gleich kennen lernen und so habe ich sie ihr sowohl bei Tag, als auch bei nacht gezeigt. Es war unsere letzte "Ferienwoche". Morgens waren in der Schule Fortbildungen ueber die verschiedensten Themen, Lari und ich haben allerdings nur 2 Mal dran teilgenommen, als es um Authismus ging. Es war wirklich interessant da mehr darueber zu erfahren und auch ueber die Arbeit und Arbeitsmethoden etwas erzaehlt zu bekommen. Ansosnten haben wir uns mit der Projektsuche fuer einen der neuen JEVs beschaeftigt, da seine Arbeitsstelle kurzfristig abgesprungen ist und er jetzt ohne Arbeit dasteht. Wir haben aber recht schnell was neues gefunden: Eine Organisation, die mit Immigranten aus Suedamerika arbeitet. Die Immigranten haengen sich an Gueterzuege dran und muessen dann vor den Bahnhoefen immer abspringen, um nicht erwischt zu werden. Die Organisation (FM4: Paso Libre) versorgt die Neuankoemmlinge dann mit Essen, Kleidung und Medizin und wenn es noetig ist, nehmen sie die auch mit ins Krankenhaus. Lari und ich waren jetzt 2Mal da und jedes Mal gefaellt uns das Projekt besser. Es wird sicher unglaublich interessant die verschiedenen Geschichten von den Immigranten zu hoeren. Abends faehrt dann ein neuer Zug zur naechsten Station Richtung USA, an den sich die Immigranten dann wieder haengen. In der Regel halten die sich also wirklich nur einen Tag dort an den Gleisen auf.

Die Schule selbst hat vor eineinhalb Wochen angefangen und obwohl es wirklich anstrengend ist von 9-16.30 zu arbeiten, macht es unglaublich Spass. in meiner Klasse sind nurnoch 5 Kinder, die jeden Tag kommen und 2, die ein bzw. 2 mal pro Woche kommen. Nach der 1. Pause fahre ich dann los, um den Sohn meiner Kollegin Gloria von der Schule abzuholen (ja, ich traue mich endlich Auto zu fahren ) und beschaeftige mich danach ca. 45 mit ihm und noch 2 anderen Toechtern von Lehrern. Ich wurde gebeten, diese Zeit mit den Kindern zu verbringen, da die sonst den Unterricht und ueberhaupt den Schulalltag extrem stoeren. Lari und ich essen dann mit den Schulkindern zusammen (das Essen schmeckt echt jedes Mal unglaublich lecker ) Und danach geht es in die Workshops. Montags: Sport, dienstags: chor, gitarre und tanz mittwochs und freitags: chor und donnerstags theater. Es macht wirklich Spass den ganzen Tag in der Schule zu verbringen, weil man da auch endlich mal richtig was vom Schulalltag und den Kindern mitbekommt. So lernt man auch Kinder aus anderen Klassen kennen und ja, ist einfach mehr "mittendrin".

Nach der Schule machen Lari und ich uns dann gleich auf zum Fitnessstudio und kommen so erst um 19h nach Hause. Auch wenn so der Tag unglaublich lang ist, gibt es nicht, auf das ich verzichten wuerde. Und ausruhen kann man sich ja auch am Wochenende (in der Regel).

Jetzt am Freitag kommen schon die neuen JEVs an. Insgesamt werden es 5 sein, von denen 3 dann aber nach Zacatecas weiterfahren. Lari und ich sind beide schon sehr gespannt wies wird und freuen uns schon riesig auf den Tag

Soweit mal wieder das Update, ich hoffe ihr geniesst endlich den Sommer in Deutschland!

8.9.09 01:53


Numero 17: Vacaciones

Ab heute habe ich endlich Ferien!!! Eigentlich waere der letzte Schultag schon vor 2 Wochen gewesen, aber dank Schweinegrippe wurde das alles nach hinten verschoben. Wann die Schule genau wieder anfaengt, weiss aber noch niemand so richtig :P Am Montag ist noch das Abschlussfestival der Schule, bei dem jede Klasse einen Lateinamerikanischen Tanz tanzt und bei CODENI geht ab da der Sommerunterricht los.

Viele von euch haben es ja schon per Mail erfahren: Ich werde am Donnerstag nach Deutschland fliegen!!! Die ersten Tage werde ich in Augsburg bei meiner Schwester Steffi verbringen und dann am Montag wahrscheinlich nach Dettingen weiterreisen. Am Donnerstag kommt mein Bruder Christian nach Hause, der der Grund ist, wieso ich ueberhaut beschlossen habe zwischen den Schuljahren nach Deutschland zu fliegen. Ich werde also ab Donnerstag hauptsaechlich die Zeit mit ihm verbringen und am Dienstag fliege ich schon wieder zurueck nach Mexiko.

Wie ihr seht wird die Zeit sehr voll und anstrengend fuer mich! Ich hoffe also, dass ihr Verstaendnis habt, wenn ich mal eine Einladung nicht wahrnehme. Ich koennt euch sicher sein, dass ich euch alle sehr gerne wieder sehen wuerde, aber es trotzdem nicht so klappt, wie wir uns das vorstellen.

Am Mi. 22. Juli werde ich um 20 Uhr im Pfarrheim St. Peter und Paul Dettingen sein, um euch Fotos zu zeigen, zu erzaehlen etc. Ich wuerde mich also sehr freuen, wenn ihr an diesem Abend kommt!!!

Liebe Gruesse und dann bis bald!

Michi

10.7.09 20:46


Número 16: Dansa contemporánea y la invitación a comer

Letzte Woche hatten Toni und ich die einzigartige Moeglichkeit eine Vorfuerung des Modernen Tanzes anzuschauen. Dazu gekommen sind wir, da eine andere CODENI Freiwillige Tanz studiert und uns davon erzaehlt hat. Die verschiedenen Semester stellten an diesem Abend das vor, was sie gelernt hatten.

Moderner Tanz an sich eine sehr interessante Tanzform. Man kann es eigentlich gar nicht richtig erklaeren, es hat ein bisschen was von Ballett, aber auch von allen moeglichen anderen Richtungen was dabei (sage ich mal so als absoluter Laie). Der erste Teil war total schoen. Sowohl von der Musik her, als auch vom Tanz, die Bewegungen waren total stimmig und ja, es war einfach schoen mit anzusehen.

Der 2. Teil war absolut ergreifend. Er war den politischen Gefangenen Mexikos gewidmet und genau darum ging es auch. Um die Unterdrueckung des Volkes durch den Staat, die Machtposition der Kirche, die diese auch ausnutzt, die willkuerliche Festnahme von Menschen, die menschenunwuerdigen Verhaeltnisse in den Gefaengnissen, das Auflehnen des Volkes gegen die Regierung und das darauffolgende Niederschlagen des Aufstandes... Dargestellt wurde das Boese durch einen einzigen Schauspieler in braunem Anzug (bzw. Bischofskostuem), Hitlerbaertchen und Clownsnase, der sich durchweg Roboterartig bewegt hat. 

Die Studenten haben es geschafft ohne Worte, nur durch Mimik und Gestik so unmissverstaendlich klarzumachen, worum es gerade geht, dass mir nicht nur einmal Gaensehaut ueber den Ruecken gelaufen ist. Man wurde total in das Stueck hineingesogen, wusste, wie sich die Personen fuehlen und vor allem wusste man, dass das, was da gerade dagestellt wird, zur Zeit wirklich passiert. Durch das Vergleichen mit Hitler wurde gezeigt, dass die mexikanische Regierung in einigen Bereichen diktatorisch handelt und auf die Gefahr hingewiesen, dass nicht mehr viel fehlt, um wieder zu den Zustaenden der damaligen PRI Diktatur zu gelangen. 

Ganz davon abgesehen, dass dieses Stueck zu den besten Theaterstuecken (es war schon fast wie Pantomime) zaehlt, die ich je gesehen habe, hoffe ich, dass ein paar Zuschauern Anstoesse zum Denken gegeben hat. Ueber das, was im Moment hier geschieht, aber auch ueber Hitler, der ja hier als nicht schlecht angesehen wird. Oder zumindest als nicht ganz so uebel wie alle immer tun. Es gibt aber auch sicher einige, wie die Gastschwester unserer Freundin, die als einzigen Kommentar meinte "Ich habs nicht verstanden" sich umdrehte und ging. 

 

Gestern waren Toni und ich mal wieder bei einer Mutter einer Schuelerin eingeladen. Wir waren beide ein bisschen unmotiviert uns aufzuraffen, da wir die Mutter nur vom sehen kennen, aber auch, weil ihre Tochter, Rosa, ein absolutes Mistkind ist, das mit 4 Jahren schon eine schlimmere Zicke ist, als ich in der Pubertaet. Wir kamen dann mehr oder weniger puenktlich am Treffpunkt an, Laura, die Mutter, war aber noch nicht da, also haben wir angerufen und sie teilte uns mit, dass sie gerade Rosa badet, aber gleich da ist. Geduldig sassen Toni und ich da, als sie nach einer halben Stunde noch nicht da war, machte sich so langsam die Vermutung breit, dass sie nicht mehr kommt. Nach einer Stunde haben wir dann nochmal angerufen, da war sie dann grad um die Ecke. Zu Hause bei ihr angekommen, gab es Essen (mittlerweile habe ich gelernt, dass man langsam essen muss, damit man nicht so oft nachnehmen muss, einmal nachnehmen aber auf jeden Fall Pflicht ist). Die Tochter war sehr aufgedreht, da sie sich unglaublich auf uns gefreut hat und hat uns auch gleich gezeigt, wer hier die Hosen an hat Mit Laura war es anfangs schwierig Unterhaltungen zu fuehren, da sie recht unsicher ist. Zwischendrin kamen einfach so Fragen rausgeschossen, wie :"Was bringt euch richtig auf die Palme bei anderen Menschen?" Auf meine Antowrt kam dann aber auch keine Reaktion...

Sehr ueberrascht hat mich ihre Geschichte: Sie ist erst 23 Jahre alt, ihr Mann 24. Sie hatte ihr Kind also mit 19 Jahren. Ihre Mutter ist vor 22 Jahren in die USA ausgewandert und hat sie bei der Oma gelassen. Hin und wieder sieht sie ihre Mutter, aber eher selten. Ich habe sie sehr dafuer bewundert, wie sie das alles so macht mit ihrer Tochter, stellt euch mich mal mit Kind vor... Ein Chaos. Toni und ich hatten dann beschlossen, dass wir um 19Uhr losmuessen, um auf eine imaginaere Geburtstagsfeier zu gehen. Wenn man sich sowas nicht ueberlegt, kommt man einfach nicht mehr los. Um viertel vor 7 kam dann Lauras Mann, Roberto, heim und sofort hat sich alles geaendert. Sie wurde viel offener, lustiger, redseliger. Ihr Mann ist auch total lieb und offen und hat sich gleich dafuer entschuldigt, dass er in der Schule immer so grimmig guckt, aber in Wirklichkeit ist er echt lieb! Was total suess von Laura war, war, dass sie meinte, dass sie sich nie in ihrem Leben haette vorgestellt, dass 2 Deutsche jemals zu ihr nach Hause kommen, um sie zu besuchen. Auch der Mann meinte, dass er den ganzen Tag schon so aufgeregt und nervoes war, dass er sich sogar verbrannt hat (er verkauft Birria, so eine Art Gulasch) und uns seine riesen Brandblase am Finger gezeigt hat. Es war schoen zu sehen, wie die beiden miteinander umgehen, sich stuetzen und einfach so sind, wie sie sind. Allerdings, was mir sehr unangenehm war, haben sie uns viele Sachen geschenkt. Zum Beispiel ein Poster von einem Wrestler, Saenger und Schauspieler, den beide total vergoettern. Das haette ich noch gut akzeptieren koennen. Aber dann wollte Laura, dass ich mir irgendwas aus der Wohnung aussuche, dass ich mir als Erinnerung mitnehmen will. Also haben Toni und ich uns ein Foto ausgesucht. Danach schenkte sie uns noch eine Erinnerung aus den Ruinen von Mexiko Stadt und danach noch 2 Erinnerungen aus den Ruinen. Mir war das einfach sehr unangenehm, weil es ja auch fuer die beiden Erinnerungen sind, die sie sich gekauft haben. Aber es schien ihnen sehr wichtig uns das mitzugeben und auch, dass wir jeder etwas nehmen und nicht was zusammen. Noch dazu hat und Rodrigo Birria mitgebracht, die wir mit grossen Genuss essen werden, und Tuna, die Frucht, die am Nopalkaktus waechst und ein bisschen nach Kiwi schmeckt. Letztendlich sind wir dann doch bin halb 9 geblieben

Allem in allem, war es noch ein sehr schoener Tag und Toni und ich waren beide total erfuellt von der Herzlichkeit der beiden. Auch wenn sie sich selbst bei uns eingeladen haben und gefragt haben, ob wir ihnen Euro fuer ihre Sammlung schenken koennten. Diese Bitten kamen aber auf jeden Fall mit Moeglichkeit zum Ausweichen, die Toni und ich aber nicht wahrnehmen werden. Die beiden haben uns so viel gegeben (wirklich nicht nur materiell), dass wir jetzt auf jeden Fall an der Reihe sind

Suess war auch ihre Antowort auf die Frage, ob sie noch mehr Kinder als Rosa moechte: "Ja auf jeden Fall, aber erst moechte ich mir Sofas und so weiter fuer das Haus kaufen und dann danach noch ein Kind bekommen". In ihrem Haus war naemlich wirklich nur das minimalste an Ausstattung, aber sie war trotzdem total stolz drauf, weil es eben IHR Haus war, dass sie sich mit ihrem Mann zusammen mietet, ohne die Unterstuetzung von irgendwem

Denkt also dran: Seid gluecklich mit dem, was ihr habt, traeumt von dem, was ihr nicht habt, aber verlangt nicht danach!

21.6.09 20:10


Número 15: visita y elecciones

Meine lieben Damen und Herren,

diesmal habe ich endlich mal eine plausible Entschuldigung fuer mein langes Nicht-Schreiben. Vor ca. einem Monat kam endlich der schon la lange erwartete Besuch aus Grosskrotzenburg. Drei meiner alten Schulkollegen (Corni, David und Seppi) haben sich extra auf die lange Reise begeben, um mich zu besuchen. Die drei Wochen mit ihnen waren sehr schoen und es von Anfang an, als waeren wir nie so lange und so weit von einander weg gewesen. Dank den dreien habe ich auch ein paar touristische Dinge endlich mal gemacht, die ich bis jetzt vor mir her geschoben habe, wie zum Beispiel das Dorf Tequila besucht Die drei Wochen sind so unglaublich schnell vorbei gegangen, was aber zeigt, dass ich die Zeit echt genossen habe

In einigen Staaten Mexikos, auch in Jalisco, stehen am 5.7. die Kommunalwahlen an. Es ist sehr interessant den Wahlkampf zu beobachten, der hier um einiges dreckiger und illegaler ablaeuft als in Deutschland. Die 2 staerksten Parteien sind PRI (Partido Revolucion Institucional, war bis vor ca. 10 Jahren mehrere Jahrzehnte an der Macht) und PAN (Partido Acción Nacional, von der der derzeitige Praesident ist). Weiterhin mischt noch die PRD (Partido Revolución Democrática) mit, die man von der Groesse und Wichtigkeit her ein bisschen mit FDP oder den Gruenen vergleichen koennte.Naja, ein bisschen groesser ist sie schon. Zumindest in ein paar wenigen Staaten hat sie die Aussicht auf einen Wahlsieg.

Die dreckigsten Aktionen gehen eigentlich von der PAN aus. Schon seit einiger Zeit (noch weit vor den Wahlen, der Zeitpunkt dieser Kampagne allein war schon illegal) hatten sie in Zeitschriften, auf Plakaten etc. eine Buchstabensuppe. Die Fragestellung war: "Suchen Sie 13 Charakteristiken der PRI Regierung." In der Suppe waren Woerter wie Korruption, Drogenhandel, Gewalt, Unterdrueckung, Armut, Diebstahl, Schulden und Straflosigkeit.     Unten drunter stand dann "Sie drohen damit zurueck zu kommen. Wirst du das zulassen?"

Abgesehen davon, dass all diese Charakteristiken auch auf die PAN zutreffen, war ich erstmal sprachlos ueber die Dreistigkeit der Partei. 

Jetzt erst vor einigen Wochen wurden in dem an Jalisco angrenzenden Bundesstaat Michoacan auf Befehl der Bundesregierung 30 Staatsregierungsmitglieder festgenommen, davon 10 Buergermeister, da sie mit dem Drogenhandel in Verbindung gebracht wurden. 6 davon sind von der PRI und jeweils 2 von PAN bzw. PRD; waere ja auch auffaellig wenn sie niemanden von der eigenen Partei festgenehmen wuerden. Die anderen 20 Festgenommenen sind alles nahestehende Arbeiter des derzeitigen Ministerpraesidenten, der der PRD angehoert. Somit entwertete die PAN klar die Arbeit der PRD in diesem Bundesstaat (die die Festnahmen sicher wieder gewonnen haette) und hat so ihre eigenen Chancen auf einen Gewinn um einiges vergroessert.

Ich bin wirklich fuer die Festnahme solcher Leute und dafuer, dass etwas gegen Korruption und Drogenhandel unternommen wird. Wenn das allerdings mit dem Hintergedanken geschieht, danach bessere Chancen bei der Wahl zu haben, finde ich das eher zweifelhaft. Vor allem ist auch auffaellig, dass es die erste grosse Festnahmeaktion in dem Bundesstaat war, aber ausschliesslich Politiker festgenommen wurden und keine Capos (Mitglieder der Drogenbande). Ausserdem darf man wirklich nicht vergessen, dass ALLE Parteien mehr oder weniger (eigentlich eher mehr) von Korruption durchzogen und mit Drogenhaendlern in Verbindung sind. Nur weil die PAN derzeit den Vorteil hat, dass der Staatspraesident von ihrer Partei ist und so nach Lust und Laune Leute festnehmen kann, heisst das noch lange nicht, dass die Partei unschuldig ist.

Noch dazu haben solche Aktionen den Vorteil, dass andere Probleme wie die Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Armut etc. in den Hintergrund gerueckt werden.

Im Volk gibt es eine Gegenbewegung zu dem Ganzen. In Jalisco laeuft sie unter dem Namen: "Votos nulos para políticos nulos" = "Wertlose Stimmen fuer wertlose Politiker". Der Aufruf ist, zur Wahl zu gehen, die Stimme allerdings ungueltig zu machen. Damit wird signalisiert, dass man sich zwar fuer Politik interessiert, auch gerne mitwirken moechte, aber keinen Politiker bzw. keine Partei als gut genug empfindet, um fuer sie zu waehlen. Noch dazu laesst sich durch so der "Erfolg" der Aktion leichter messen, da die Zahl, der Leute, die nicht zur Wahl gehen sehr schwankt, waehrend die Zahl der ungueltigen Stimmen eigentlich nie 2.5% uebersteigt.

Natuerlich gibt es die Gegenargumente, wie, dass man so auch nichts aendern kann, oder man den Leuten, die waehlen, die Wahl ueberaesst. Aber als kleiner Buerger kann man hier sowieso in der grossen Politik nichts aendern und ob man nun selbst mitwaehlt oder nicht, das Ergebnis der Wahl wird immer das Selbe sein: Gewinnen wird eine korrupte Partei, die Drogenbosse schuetzt und von ihnen unterstuetz wird, denen das Wohl des Volkes lange nicht so wichtig ist, wie das eigene und die immer weiter versuchen werden die zu unterdruecken, die sich gegen das System stellen.

Ich denke, in der derzeitigen Situation ist es eine gute Sache seine Stimme ungueltig zu machen und ich freue mich sehr darueber, dass das mexikanische Volk selbst denkt und sich nicht mehr alles einfach so gefallen laesst. Die ungueltige Stimme ist zwar eine kleine Sache, aber wenn es genug machen, wird zumindest ein Zeichen gesetzt. Ob es etwas bewegt ist dann natuerlich eine andere Sache. 

10.6.09 23:31


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